BOH kompakt 2015:     ... vorheriger Artikel     nächster Artikel ...


Musikgenuss vom Feinsten

Zwei Barenboim-Flügel, eine ganze Batterie unterschiedlichster Percussion-Instrumente, dazu das Orchester – es war ein beeindruckender Anblick, den allein das Bühnenbild bot. Kein Wunder, dass das Blasorchester Havixbeck mit seinem Programm des Frühlingskonzertes am Samstagabend ebenfalls beeindruckte. Denn dieses Mal gaben sich nicht nur verschiedene Solisten mit dem Orchester die Ehre. Auch hatten die Musiker selbst wieder anspruchsvolle Stücke ausgewählt, die den Konzertabend zu einem spannenden und absolut kurzweiligen Erlebnis machten.
Um die Messlatte für den Abend direkt hoch aufzuhängen, stellte das Orchester mit Dirigent Dirk Annema diejenigen Stücke vor, die die Musiker beim Deutschen Orchesterwettbewerb im Mai in Osnabrück spielen werden. So tauchte das Orchester samt Publikum zuerst ins Saarland ab. Mit „Saravus“ von Thiemo Kraas ging es auf eine rhythmische und rasante Berg- und Talfahrt. Nicht einfach für das Orchester zu spielen, verlangt der Komponist, von Hause aus Schlagzeuger, den Musikern viel Technik- und Rhythmusverständnis ab.
Grandioses FrĂĽhlingskonzert des Blasorchesters Havixbeck

Das stellte das Orchester ohne größere Schwierigkeiten unter Beweis, um in Anschluss mit dem Selbstwahlstück für den Wettbewerb ebenfalls zu glänzen. „Licht und Schatten“ (Luz y Sombres) von Ferrer Ferran stand auf dem Programm. Es ging um Glanzzeiten und Tiefpunkte der Entwicklung Valencias – wunderbar im atmosphärischen Stil Ferrans komponiert, der es versteht, eine Geschichte musikalisch anspruchsvoll und trotzdem gut verständlich zu verpacken. Ein besonderes Glanzlicht stellte die Soloeinlage von Sabine Fröhlich dar. Die Violinistin verschönerte mit ihrem Spiel eine lange Passage des Stückes.
Dann rückten endlich die beiden Instrumente in den Vordergrund, die das Publikum schon die ganze Zeit im Blick hatte: zwei riesige Barenboim-Flügel. Der bekannte Pianist und Dirigent Daniel Barenboim hat diese Art des Flügels speziell beim belgischen Klavierbauer Chris Maene in Auftrag gegeben. Insgesamt nur fünf dieser Instrumente gibt es weltweit. Zwei davon standen am Samstag auf der Bühne des Blasorchesters. Und was das Piano-Duo Matijn und Stefan Blaak darauf zauberte, war umwerfend. Die Zuhörer kamen in den Genuss der deutschen Uraufführung von „Amara Tanta Tyri“. Komponist Eduard de Boer hat dieses Stück speziell für die Blaak-Brüder sowie die beiden Barenboim-Flügel geschrieben. „Amara Tanta Tyri“ ist ein alter Exorzismuszauber. De Boer verfolgt damit das Konzept, das Böse aus der Welt zu vertreiben. Deshalb ging es erwartungsgemäß rasant, dramatisch und technisch schwierig her. Sowohl die beiden Pianisten als auch das Orchester hatten viel an ihren Instrumenten zu tun. Aber die Arbeit hat sich gelohnt. Nicht nur „Amara Tanta Tyri“ sucht seinesgleichen. Auch die Darbietung von Solisten und Orchester hebt die besondere musikalische Stellung von Havixbeck in der Musiklandschaft hervor.
Direkt im Anschluss baute sich der nächste Solist des Abends auf. Ralf Bachmann ist nicht nur Profi-Percussionist, sondern auch Schlagzeuglehrer an der Musikschule Havixbeck. Was aus den Schülern werden kann, die bei ihm Unterricht nehmen, zeigte Bachmann eindrucksvoll. Ein Marimbafon, ein Vibrafon, Bells und Crotales, eine große Schlagzeugbatterie mit Tomtoms, Snaredrum und Basstrommel bearbeitetet Ralf Bachmann im fliegenden Wechsel – mal mit zwei, mal mit vier Schlägeln. Das war nicht nur etwas fürs Ohr, sondern auch was fürs Auge. Dazu das ebenfalls schnelle und aufreibende Spiel des Orchesters – alle hatten an diesem Abend viel zu tun.
Grandios, was das Sinfonische Blasorchester Havixbeck insgesamt fĂĽr sein Konzert wieder auf die Beine gestellt hat. Das begeisterte Publikum forderte durch anhaltenden, lauten Beifall eine Zugabe nach der anderen ein. Orchester und Solisten kamen diesem Wunsch gerne nach.

Quelle: WN - Westfälische Nachrichten. Artikel und Foto: Maxi Krähling

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